„Das haben wir noch nie so gemacht!“ - 5 Tipps für eine dialogorientierte Veränderung der Verwaltung

Kennen Sie das? Sie schlagen einen BürgerInnenbeteiligungsprozess vor, um ein neues kommunales Projekt zukunftsfähig und krisensicher an den Start zu bringen und ein Großteil Ihrer KollegInnen rollt mit den Augen: „Das soll hier doch kein „Wünsch dir was“ werden!“ –

Bereits 2014 kam die Bertelsmann-Studie „Partizipation im Wandel – Unsere Demokratie zwischen Wählen, Mitmachen und Entscheiden“ zu dem Ergebnis, dass KommunalpolitikerInnen, BürgermeisterInnen und Verwaltungsspitzen die repräsentative Demokratie einer partizipativen Demokratie klar vorziehen. Bei der Bevölkerung verhält es sich umgekehrt. Dieses und weitere Ergebnisse, wie z.B. ein stärkeres Politikinteresse und höhere Akzeptanz der BürgerInnenschaft für politische Entscheidungen sowie die Vermeidung von Fehlplanungen und -investitionen durch mehr BürgerInnenbeteiligung, sind klare Argumente für einen Richtungswechsel des Regierungs- und Verwaltungsdenkens.

Doch wie kann das gelingen? Im Alltag sind es kleine Schritte, durch die sich peu à peu Freude an der informellen BürgerInnenbeteiligung entwickeln kann. Hier unsere fünf Tipps:

 

  1. Suchen Sie sich Verbündete!
    Sie wollen etwas voranbringen. Also suchen Sie sich Gleichgesinnte, die offen für Neues sind und mit ihnen Ideen spinnen möchten. Fortschritt braucht Engagement und deshalb ist es gut, mit Initiativen voran zu gehen. Das können regelmäßige E-Mails an Ihre KollegInnen zu beispielhaften Beteiligungsprojekten sein, die Organisation einer kleinen Info-Veranstaltung oder auch einer Fortbildung. Wichtig ist, dass Sie gemeinsam lernen und sich frühzeitig mit den Sorgen und Bedenken Ihrer KollegInnen auseinandersetzen und sie mit einbeziehen.

  1. Planen und Konzipieren Sie Projekte und Prozesse gemeinsam!
    Niemand mag es mit neuen Aufgaben einfach überrumpelt zu werden. Deshalb ist es wichtig, neue Vorhaben von Beginn an gemeinsam mit denen zu planen, die wesentlich für die Projektumsetzung sind. Um zu wissen, wer das ist, lohnt die Frage: Was braucht das Beteiligungsprojekt? Hier ein paar Anreize:
    Entscheidungen in der Umsetzung, Presse/Öffentlichkeitsarbeit zur Bekanntmachung und Online / Social Media-Komponenten zur Begleitung des Beteiligungsverfahrens sowie Benennung der internen Fach- und Projektexpertise.

  1. Bleiben Sie effektiv!
    Dieser Hinweis nutzt sowohl dem Projekt als auch allen teilnehmenden KollegInnen. Das Prinzip lautet Ressourcen-Schonung. Relevant sind Meetings und Maßnahmen nur dann, wenn Sie klare Ergebnisse für das Vorhaben erzeugen. Grundlegend dafür ist es, genaue Zielstellungen zu erarbeiten, auf die schrittweise hingearbeitet werden kann. Machen Sie sich dazu bewusst, in welchen Bereichen (Politik, Dialog, PR) Ziele für das Beteiligungsprojekt verfolgt werden sollen und entscheiden Sie danach, wann und mit wem, wozu, welche Meilensteine erreicht und besprochen werden müssen. Eine solche Herangehensweise wird man Ihnen danken!

  1. Fangen Sie klein an!
    „Das haben wir noch nie (so) gemacht“ ist der Satz, den Sie vermutlich im Zusammenhang mit neuen Beteiligungsvorhaben oder -projekten schon einmal gehört haben. Diese Art von Einwand ist genau der Punkt, an dem mit kleinen Vorhaben zu neuen Wegen angesetzt werden sollte. Die Bandbreite der Möglichkeiten, das dazu ist groß. Ob öffentliches Picknick, Bürgerausstellung oder Befragung - Ziel ist es Schritt für Schritt Erkenntnisse und Einsichten durch Erfahrungen zu sammeln, um Sicherheit bei der Kommunikation und im Umgang mit BürgerInnenwissen zu erlangen.

  1. Reflektieren Sie regelmäßig!
    Das Wichtigste für die Entwicklung einer Beteiligungskultur in Ihrem Haus ist, sich immer wieder gemeinsam bewusst zu machen, welche Lerneffekte und Fortschritte es bereits gegeben hat, aber auch zu überblicken, welche Herausforderungen bestätigt wurden oder entstanden sind. Informelle BürgerInnenbeteiligung ist eine Beratungsform für RepräsentantInnen und Verwaltungsspitzen und macht sicherlich nicht immer in jeder Form Sinn. Deswegen ist es wichtig, die Herangehensweise für die eigene Kommune regelmäßig kritisch zu reflektieren und damit einen Raum zu schaffen, in dem das Augenrollen der KollegInnen zu einem Kopfnicken werden kann.

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