Von der Motivation sich mit E-Partizipation zu beschäftigen

Was fasziniert an E-Partizipation? Was ist daran so interessant, dass ich mein Studium diesem Thema widme und das Bedürfnis hatte einen Verein zur Förderung von E-Partizipation mitzubegründen und ehrenamtlich zu betreuen? Woher kommt die Motivation sich intensiv mit E-Partizipation zu beschäftigen?

Für mich stand am Anfang die Erkenntnis, dass Technik nicht nur ein Werkzeug darstellt, das den Menschen zur Seite steht, sondern Gesellschaft nachhaltig prägt und verändert. Es ist faszinierend zu beobachten wie das Internet einerseits als Technik neue Möglichkeiten der Kommunikation und Interaktion hervorbringt, andererseits aber auch neue gesellschaftliche Ansprüche erhoben und durchgesetzt werden. Mit anderen Worten: Technik ist Gesellschaft. 

Gleichermaßen gilt dies auch für E-Partizipation. Digitale Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung bilden nicht nur ein Werkzeug mit deren Hilfe vorhandene Prozesse verbessert werden können. Sie bieten vielmehr auch die Chance vorhandene, etablierte und nahezu unhinterfragte Beteiligungs- und Repräsentationsmodelle auf den Prüfstand zu stellen. Sie bieten die Möglichkeit, neue, digitale Ansätze von Beteiligung zu diskutieren und klassischen Modellen gegenüber zu stellen, um dadurch zeitgemäße und nachhaltige Ansätze von diskursiven Beteiligungsprozessen zu entwickeln.

Dem gegenüber steht mein Politikwissenschaftsstudium, das es mir nicht immer einfach macht, mich mit E-Partizipation wissenschaftlich auseinander zu setzen. Lehrveranstaltungen, die sich im Spannungsfeld von digitaler Gesellschaft bewegen, scheinen weder im Bachelor noch im Masterstudium vorhanden zu sein und werden oftmals von ProfessorInnen als nicht relevantes Thema wahrgenommen, welches einer tiefergehenden Auseinandersetzung bedarf.

Als Symptomatisch kann dies auch für die bisherige politikwissenschaftliche Auseinandersetzung mit E-Partizipation verstanden werden. Im Vergleich zur Auseinandersetzung mit „offline“ Bürgerbeteiligung ist die politikwissenschaftliche Literatur zu E-Partizipation rar gesät, von Standardwerken oder theoretischen Arbeiten ganz zu schweigen. Dies ist verwunderlich, gibt es gerade auch in der Politikwissenschaft viele wichtige Anknüpfungspunkte, die helfen können E-Partizipation besser zu verstehen, einordnen und weiterentwickeln zu können. Gerade dieses Defizit weckt mein Interesse an dem Thema umso mehr. Es ermöglicht bisherige politikwissenschaftliche Diskurse, Theorien und Erkenntnisse zu Bürgerbeteiligung in einem digitalen Kontext neu zu denken, zu interpretieren und mit eigenen Überlegungen zu verknüpfen. 

Neben der wissenschaftlichen Auseinandersetzung ist es aber ebenso das Interesse an einem öffentlichen Austausch, welches einen großen Anteil an meiner anhaltenden Motivation ausmacht. Auch wenn es in Österreich viele interessierte Menschen gibt, die sich mit Bürgerbeteiligung und E-Partizipation auseinander setzten, fehlt es bisher an einem öffentlichen und breit vernetzten digitalen Diskurs, um die in den unterschiedlichsten Kontexten gemachten Erfahrungen und Ansätze zusammenzuführen. 

Für mich ergab sich aus dieser Situation der Schritt einen Verein mit zu initiieren mit der Prämisse eine Vernetzungsplattform zu bilden, die gerade diesem Defizit an Vernetzung und öffentlicher Auseinandersetzung entgegenwirken soll. Wie für eine lebbare Bürgerbeteiligung gilt auch für die Auseinandersetzung mit E-Partizipation, dass ein breiter und vor allem öffentlicher Diskurs angestrebt werden muss. 

Dies stellt gleichzeitig auch ein persönliches Ideal dar: Die Überzeugung, dass gesellschaftlicher Diskurs und Entscheidung nicht voneinander zu trennen sind, sondern dass Entscheidungen durch gesellschaftliche Diskurse entstehen. E-Partizipation ist dabei bestimmt kein Allheilmittel, es bietet aber die Chance neue Formen des Diskurses und der Beteiligung zu diskutieren, zu adaptieren und aus ihnen zu lernen.

 

Simon Wolfer absolviert an der Universität Wien sein Masterstudium in Politikwissenschaft und ist Gründungsmittglied des Vereins Liquid Participation in Wien.

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