Die Finanzkrise sorgt weiterhin für Turbulenzen
von Dr. Alexander Görlach (cicero.de)08.10.2008
Die schlechten Nachrichten auf den Finanzmärkten reißen nicht ab: Nun muss die britische Regierung acht Banken teilverstaatlichen, um einen Kollaps zu verhindern. Die Hypo Real Estate in Deutschland, deren Pleite in Deutschland weitere Banken mitgesogen hätte, konnte gerade noch gerettet werden. Der Dax ist dennoch auf Talfahrt, ebenso der Dow Jones und der Nikkei. Eine Panik unter den Kleinanlegern konnte bislang verhindert werden, in Deutschland durch die Garantie der Bundesregierung, dass die Einlagen der Sparer sicher seien.
Der Staat wird zu etwas, was ihm die Strategen der entfesselten Märkte nicht mehr zugetraut hätten: zum Gestalter und Moderierer wirtschaftlicher Prozesse. Dieser Rolle hatte er sich im Zuge der Globalisierung, mit welcher der nationale Markt an Bedeutung verloren hat, entwöhnt. Von daher wirkt das Krisenmanagement der Bundesregierung ebenso holprig wie das Abstimmungsverhalten von US-Kongress und Repräsentantenhaus. Dennoch: Wenn nach der Krise noch ein Stein auf dem anderen steht, dann ist der Nationalstaat der Gewinner. Er wird an Stärke, Souveränität und Rückgrat gewinnen.
Die einzelnen nationalen Märkte werden sich nicht helfen können, sollten sich die USA nach der Bauchlandung nicht wieder auf die Füße stellen. Für die globalen Entwicklungen ist es unerlässlich, dass der nächste Präsident einen Weg aus der Krise weist. Das wird in diesem Land umso schwerer, das in den vergangenen Jahren der Bush-Administration die Marktbegrenzungen weggefegt und die unumschränkten regulierenden Kräfte des Marktes beschworen hat. In den Vereinigten Staaten ist die Finanzkrise deswegen zugleich auch die Krise des politischen Systems, seines Credo.














