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Video-Diskussion: Steffen Bockhahn über Programme gegen Extremismus

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Was macht das alte Bundesdorf?

10 Jahre nach dem Umzug gibt es ein neues Selbstverständnis am Rhein

Was macht eigentlich Bonn? zoom Was macht eigentlich Bonn?
Quelle: mjohn2101
von Christian Vey (e-politik.de)
26.01.2010

Machen Einheimische einen Spaziergang am Bonner Rheinufer, um Gästen die örtlichen Sehenswürdigkeiten zu präsentieren, ernten sie oft ungläubiges Staunen. Doch kommt das nicht von der Imposanz der vorgeführten Bauwerke, nein, das Gegenteil ist der Fall.

Bestes Beispiel: Das „Alte Wasserwerk“. Hier, direkt am Fluss gelegen, tagte Anfang der 90er Jahre der Deutsche Bundestag. Nebenan wurde gerade ein neuer Plenarsaal gebaut und so traten die Abgeordneten in einem Gebäude zusammen, das nicht repräsentativer erscheint als das Rathaus einer Kleinstadt. Besonders ausländische Gäste runzeln ob so viel Understatements die Stirn. Doch eben jene Bescheidenheit hat die Geschichte Bonns als Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland von Beginn an geprägt.

Provisorium und „Bundesdorf“

Im Gründungsjahr der Bundesrepublik sollte die neue Hauptstadt – wie das im Bonner Museum König verkündete Grundgesetz – eigentlich nur provisorischen Charakter haben. Noch war die Hoffnung auf eine schnelle Wiedervereinigung mit dem sowjetisch besetzten Teil Deutschlands nicht erloschen. Die vormalige Reichshauptstadt war also noch nicht aus dem Blick geraten. Der provinzielle Charme, den Bonn versprüht, wurde eines der Hauptargumente gegen die Konkurrenz aus Frankfurt am Main – neben dem Umstand, dass bereits 1949 keine Truppen der Siegermächte mehr in der Stadt stationiert waren. Es hält sich aber auch das hartnäckige Gerücht, dass es allein Konrad Adenauer gewesen sei, der Bonn zur Hauptstadt gemacht habe. Praktisch für den „Alten“ war es definitiv, seinen Dienstsitz nur wenige Kilometer vom heimischen Herd und Bett zu wissen.

In den folgenden fünf Jahrzehnten gewöhnte sich die Republik an ihre kleine Hauptstadt, doch den Ruf des „Bundesdorfs“ wurde Bonn nie los. Für ein vereintes Deutschland schien das zu wenig. Zwar sträubte sich fast die Hälfte der Abgeordneten dagegen, doch am 20. Juni 1991 wurde der Umzug des Parlaments- und Regierungssitzes nach Berlin beschlossen. Seit 1999 wird über Wohl und Wehe Deutschlands wieder auf „märkischem Sand“ gestritten und abgestimmt.

Überreste der Regierung und Vereinte Nationen

Zehn Jahre nach dem Umzug, Ende September 2009, wurde nun eine neue Bundesregierung gewählt. Kaum vier Wochen später stand das schwarz-gelbe Kabinett. Viele Ministerien wurden mit einer neuen Führungsfigur ausgestattet und in Berlin fanden diverse Amtsübergaben statt. Doch nicht nur in Berlin, auch auf der geographisch entgegengesetzten Seite der Bundesrepublik müssen sich Beamte an neue Chefs gewöhnen. Denn was viele Bürger oft vergessen: „Der Staat“ sitzt zu einem Gutteil immer noch am Rhein.

Die Hälfte des Beamtenapparats ist auch heute in Bonn angesiedelt. Zahlreiche Vorstöße hat es in den vergangenen Jahren gegeben, diesen Umstand zu beseitigen. Doch ebenso verlässlich wie das Thema des Komplettumzugs aufkommt, ertönt der fraktionsübergreifende Aufschrei der mächtigen Landesgruppen Nordrhein-Westfalens. Es wird dabei bleiben: Die eine Seite verweist auf die immensen Kosten der getrennten Verwaltungen, die andere auf die Zusagen aus dem Berlin/Bonn-Gesetz.

Doch das politische Bonn hat, abseits bundespolitischer Überbleibsel, noch mehr zu bieten. So prangt seit einigen Jahren das Emblem der Vereinten Nationen an der Spitze des „Langen Eugen“, dem Hochhaus am Rheinufer, in dem zu Hauptstadtzeiten die Abgeordnetenbüros untergebracht waren. Es verweist auf das regionale Informationszentrum für Westeuropa der Weltstaatenorganisation und den „UN-Campus“, die nun im alten Regierungsviertel ansässig sind. Zusätzlich wurden diverse UN-Sekretariate nach Bonn verlegt oder hier neu gegründet. So das Klimasekretariat, das Sekretariat zur Bekämpfung der Wüstenbildung oder auch jenes „des Abkommens zur Erhaltung der europäischen Fledermauspopulationen“.

Entwicklungspolitik  und Großkonzerne

Wo der Schwerpunkt der Arbeit im Langen Eugen liegt, ist eindeutig – auf der Hilfe der Industrienationen für die Länder der „Dritten Welt“. Weil auch das  zuständige Bundesministerium nur wenige Meter Luftlinie vom „UN-Campus“ entfernt seinen Sitz hat, ist Bonn zur deutschen Hauptstadt der Entwicklungszusammenarbeit geworden. Es ist kein Zufall, dass VENRO, der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungs-organisationen und ein Großteil seiner Mitglieder hier ihren Sitz haben.

Und dann sind da natürlich auch noch die beiden weltumspannenden Konzerne, Deutsche Post und Telekom, zwei Arbeitgeber von exorbitanter Größe, die sich mit ihren Zentralen in der Stadt niederließen. Beide 1995 aus der Privatisierung der Deutschen Bundespost hervorgegangen, prägen sie das Leben in Bonn genauso wie dessen Stadtbild. Der Post Tower, das bei weitem höchste Gebäude der Stadt, prägt die Skyline Bonns und nach dem magentafarbenen  Riesen ist nicht nur das Basketball Team, sondern auch eine Linie der Stadtbahn benannt.

Neuer Geltungsdrang

Wo große Organisationen sind, da wird auch viel konferiert. Bonn ist im Wochentakt Gastgeber hoher Persönlichkeiten der internationalen Politik. Um den eigenen Status als Konferenzstandort auszubauen, entschied sich die Stadt denn auch, die Maurerkelle in die Hand zu nehmen. Der Bau eines Kongresszentrums von internationalem Format, das „World Conference Center Bonn“ (WCCB), wurde geplant und in Angriff genommen. Diesmal jedoch sollte nicht gekleckert, sondern geklotzt werden, die Zeiten als bescheidene Hauptstadt einer bescheidenen Republik sind schließlich vorüber. Prompt legte Bonn eine finanzielle Bauchlandung hin.

Baustopps und eine Vielzahl abgesprungener Investoren ermöglichte der lokalen Presse eine Serie von Artikeln mit dem Titel „Die Millionenfalle“. Diese hat mittlerweile über 20 Kapitel und ein nach wie vor offenes Ende.

Der Bau des WCCB, ein Schrei nach Aufmerksamkeit der „vergessenen Stadt“? Ein wenig vom rheinischen Understatement der Hauptstadtjahre hätte durchaus wohltuend wirken können. Denn nötig hat Bonn solch ein Verhalten eigentlich nicht. Die Stadt prosperiert, auch unterstützt von 1,4 Milliarden Euro an Subventionen, die in die Umstrukturierung flossen. In Zeiten, in denen andere Kommunen ums nackte Überleben kämpfen müssen, geht es ihr relativ gut. Bonn ist vielleicht nicht so „sexy“ wie manch andere Stadt, dafür aber auch nicht ganz so arm.

 

Dieser Artikel ist bereits bei unserem Partner /e-politik/ erschienen. Weitere Hintergrundinformationen und Links finden Sie unter www.e-politik.de.

 


26.01.10, 11:39 # 1 (permalink)

Beitrag der Redaktion

Question Was macht das alte Bundesdorf am Rhein?

Vor gut zehn Jahren wurde Bonn von der Hauptstadt zur Bundesstadt degradiert. Lesen Sie eine Bestandsaufnahme in unserem aktuellen Thema des Tages.

Was hat sich seit dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin getan? Wie hat sich das Selbstverständnis des „grauen Dorfs am Rhein“ verändert?

26.01.10, 14:55 # 2 (permalink)

Zitat von Redaktion
Vor gut zehn Jahren wurde Bonn von der Hauptstadt zur Bundesstadt degradiert. Lesen Sie eine Bestandsaufnahme in unserem aktuellen Thema des Tages.

Was hat sich seit dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin getan? Wie hat sich das Selbstverständnis des „grauen Dorfs am Rhein“ verändert?
Ach ja, wenn ich an die schöne alte Studienzeit in Bonn denke, werde ich zumeist sentimental ... in Bonn sind ja weiterhin noch Büros der Regierung bzw. der Ministerien angesiedelt (oder?). Dennoch hat Bonn an Relevanz eingebüßt und muss eben damit leben, deutschlandweit keine Rolle mehr zu spielen.

26.01.10, 16:26 # 3 (permalink)

Gääähn....wahnsinnig wichtiges Thema....

was machen eigentlich die Reissäcke in Peking?

Gegen Studiengebühren, gegen Lehrermangel, gegen Turbo-Abi.
Für eine bessere Bildung und Zukunft.


26.01.10, 16:42 # 4 (permalink)

Bonn und Berlin, dieser Zweier ist das deutsche Pendant zu Brüssel und Straßbourg. Wäre nur Bonn Hauptstadt geblieben, das hätte einiges an Geld gespart.

Das Elend des Historizismus: Simplifiziert-dümmliche "Lehren" aus der Geschichte ziehen und induktiv aus der Vergangenheit auf die Zukunft schließen.

---

Jochimsen, Ramelow und Seidel als Vorbote: "Die DDR war kein Rechtsstaat, aber auch kein Unrechtsstaat"? Das ist ungefähr so, als ob man sagte Schnee sei zwar aus Wasser und eiskalt, aber doch kein geforenes Wasser.

---
Sag' mal: Ich denke an Dich!


26.01.10, 16:48 # 5 (permalink)

Ich denke die Bonner bereiten sich auf den rheinischen Karneval vor!
Das hat sicherlich Prioritaet vor allem anderen

Ich bin ueberzeugter Europaeer welcher in den USA lebt, Basisdemokrat und ein Streiter fuer was hier ab und zu gerne "multiKulti" genannt wird, ich jedoch eher mit dem Begriff offene Gesellschaft umschrieben sehen moechte.
Ich trete fuer eine Energiewende ein und fuer eine von einer pazifistischen Doktrin gepraegten Aussenpolitik.
Ich bin ein kritischer Freund Israels, ein Staat den ich in vielen Diskussionen als missverstanden betrachte, auch wenn er es einem manchmal nicht leicht macht.


26.01.10, 17:13 # 6 (permalink)

Zitat von odiug
Ich denke die Bonner bereiten sich auf den rheinischen Karneval vor!
Das hat sicherlich Prioritaet vor allem anderen
Hallo, ich denke auch. Der Rhein wird bei diesen Temperaturen bestimmt zum Teil zugefroren sein.

Viele Grüsse

27.01.10, 00:06 # 7 (permalink)

Bonn hat von seiner Hauptstadtzeit natürlich sehr profitiert.
Berlin ist nun aufgrund der Geschichte Hauptstadt.

was interessant ist, der Vergleich der Hauptstädte.
So was Bonn eine kleine beschauliche Stadt mitten in Deutschland.
Berlin ist große Stadt und abgekapselt von Rest-Deutschland (die nächste bedeutende Stadt ist weit weg)

Ich merke es oft, dass politisch interessante Vorträge meistens in Berlin sind, weil sich die meisten politisch relevanten Organisationen in der Hauptstadt ansiedeln.
Zur Folge hat dies eine lange Anreise für Interessierte als es bei Hannover oder Frankfurt gäbe.
Daraus wieder entsteht meiner Erfahrungen nach ein Berliner Zirkel und die Kommunikationspartner finden sich in einem kleineren Kreis wieder als es früher in Bonn der Fall war.
Auch fand ich den spartanischeren Baustil besser von der Symbolik.

Geschichtlich ist Berlin sicher ne würdige Hauptstadt. Doch bin ich damit nicht so ganz zufrieden

Dein Geld kann die Welt verändern

Die Grünen haben ein Alleinstellungsmerkmal: Libertäre Werte verbinden sie mit sozialer Gerechtigkeit. Die grüne Leitlinie, der Green New Deal, verbindet Wirtschaftspolitik mit ökologischen Prinzipien – das unterstützt die neue, immer größer werdende libertäre Mittelschicht, die die Grünen nicht nur als "Öko-Partei" sieht und für Selbstentfaltung, Wahrung von Freiheitsrechten und Generationengerechtigkeit eintritt.


27.01.10, 17:09 # 8 (permalink)

Zitat von GrünerAktivist
Bonn hat von seiner Hauptstadtzeit natürlich sehr profitiert.
Berlin ist nun aufgrund der Geschichte Hauptstadt.

was interessant ist, der Vergleich der Hauptstädte.
So was Bonn eine kleine beschauliche Stadt mitten in Deutschland.
Berlin ist große Stadt und abgekapselt von Rest-Deutschland (die nächste bedeutende Stadt ist weit weg)

Ich merke es oft, dass politisch interessante Vorträge meistens in Berlin sind, weil sich die meisten politisch relevanten Organisationen in der Hauptstadt ansiedeln.
Zur Folge hat dies eine lange Anreise für Interessierte als es bei Hannover oder Frankfurt gäbe.
Daraus wieder entsteht meiner Erfahrungen nach ein Berliner Zirkel und die Kommunikationspartner finden sich in einem kleineren Kreis wieder als es früher in Bonn der Fall war.
Auch fand ich den spartanischeren Baustil besser von der Symbolik.

Geschichtlich ist Berlin sicher ne würdige Hauptstadt. Doch bin ich damit nicht so ganz zufrieden
Berlin ist nicht aufgrund seiner Geschichte Hauptstadt, Sie ist Hauptstadt aufgrund des preussischen Machtanspruchs der sich ins 21 Jahrhundert gerettet hat!
Waere es unsre Geschichte, die bestimmt wo unsre Hauptstadt ist, so waere es Frankfurt am Main ... aber man kann eh darueber diskutieren ob unsre Regierung nicht in den Vorstandsetagen der Deutschen Bank zu suchen ist

Ich bin ueberzeugter Europaeer welcher in den USA lebt, Basisdemokrat und ein Streiter fuer was hier ab und zu gerne "multiKulti" genannt wird, ich jedoch eher mit dem Begriff offene Gesellschaft umschrieben sehen moechte.
Ich trete fuer eine Energiewende ein und fuer eine von einer pazifistischen Doktrin gepraegten Aussenpolitik.
Ich bin ein kritischer Freund Israels, ein Staat den ich in vielen Diskussionen als missverstanden betrachte, auch wenn er es einem manchmal nicht leicht macht.


27.01.10, 18:33 # 9 (permalink)

Zitat von GrünerAktivist
...

was interessant ist, der Vergleich der Hauptstädte.
So was Bonn eine kleine beschauliche Stadt mitten in Deutschland.
Würde Deutschland nur aus Deinem Ruhrpott bestehen, hättest Du Recht.

Zitat von GrünerAktivist
Berlin ist große Stadt und abgekapselt von Rest-Deutschland (die nächste bedeutende Stadt ist weit weg)
Die Frage nach einer bedeutenden Stadt in der Nähe stellte sich vielleicht bei Bonn. Berlin selbst ist bereits die bedeutenste Stadt Deutschlands, weshalb sich diese Frage nicht stellt.
Zudem ist sie nicht abgekapselt, sondern von meinem Brandenburg umzingelt. Und die gar nicht so unbedeutende Stadt Potsdam ist direkt nebenan.

Das Leben ist einfach zu kurz, um es mit dem wirren Geschreibe infantiler Diskutanten zu verschwenden.
Ignoriert werden: Forumstroll, jmjarre, Jamaikagruen

Deregulierung und Liberalisierung der Finanzmärkte gelten als gefährlich und als Ursache von Finanzkrisen.
Die CDU/CSU-Gruppe betont dagegen die durchweg positiven Auswirkungen der Liberalisierung der Finanzmärkte.


28.01.10, 00:47 # 10 (permalink)

Oho. jetzt hab ich die brandenburgerischen Gefühle verletzt. war doch nicht meine Absicht
Ich denke, es geht deutlich hervor, was ich aussagen wollte.

Als Basisdemokrat finde ich Berlin keine gute Wahl.
Mit der man aber wohl leben werden muss...

Dein Geld kann die Welt verändern

Die Grünen haben ein Alleinstellungsmerkmal: Libertäre Werte verbinden sie mit sozialer Gerechtigkeit. Die grüne Leitlinie, der Green New Deal, verbindet Wirtschaftspolitik mit ökologischen Prinzipien – das unterstützt die neue, immer größer werdende libertäre Mittelschicht, die die Grünen nicht nur als "Öko-Partei" sieht und für Selbstentfaltung, Wahrung von Freiheitsrechten und Generationengerechtigkeit eintritt.



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