Das falsche Spiel mit dem Tod von Robert Enke
von Thore Barfuss (cicero.de)16.11.2009
Enke bringe somit den Beweis, dass es im Fußball auch viel Herzliches, Persönliches und Privates gebe, so Hannover 96 Präsident Martin Kind auf der Trauerfeier. Doch Kind liegt falsch: Das Einzige, was es wirklich gibt, ist der Wunsch nach dem „Privaten“. Dabei ist alles, was im Fußball heute noch als privat gilt, genauso Teil der Show, wie - so unangenehm diese Erkenntnis auch sein mag - der Umgang mit Enkes Tod. Jeder Trauernde in Hannover trägt zur perfekten Inszenierung des Volkssports Fußball bei.
Die Ambivalenz des Fußballgeschäftes offenbarte Uli Hoeneß in seiner berühmt-berüchtigten Wutrede von 2007. Damals sagte er, man ziehe VIPs und den Großsponsoren Geld aus der Tasche, um die sehr billigen Eintrittskarten der „wahren Fans“ in der Südkurve zu finanzieren. Dabei ist es genau anders herum, nur dank der Südkurve funktioniert der Image-Transfer auf Sponsoren und Reiche in den Logen. Langfristig wird sich auch bei Robert Enke die Authentizität, das Mitgefühl übertragen.
2008 lag der Umsatz der Bundesliga bei 1,2 Milliarden Euro, da ist kein Platz für Depressionen. Diese sind kein Tabu, wie jetzt so oft zu hören, sie sind ein nicht kalkulierbares wirtschaftliches Risiko und damit nicht mehr als ein Ausschlusskriterium. Im Gegensatz zu einem Kreuzbandriss weiß man nie, wie lange der Spieler wirklich ausfallen wird: Depressionen sind für den Profisport so wie extreme Kurzsichtigkeit für angehende Piloten.
Es klingt hart, aber im wohl florierenden Fußball-Karussell bleiben Fälle wie Sebastian Deisler oder Robert Enke Kollateralschäden. Und so mag es eines Tages vielleicht geoutete homosexuelle Spieler geben, bekennende depressive aber werden nie über den Amateur-Sport hinauskommen.














