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Was uns der Film Avatar sagt

Der Blockbuster legt verdrängtes Wissen über die amerikanische Identität frei

Avatar ist der erfolgreichste Film aller Zeiten zoom Avatar ist der erfolgreichste Film aller Zeiten
Quelle: OfficialAvatarMovie
von Naomi Wolf (Welt Online)
05.02.2010

Gibt es bei Nationen psychologische Prozesse im Freudschen Sinne – wie z.B. kollektive Egos, die verletzt werden, und verdrängte Schuldgefühle –, ganz so, wie das bei Menschen der Fall ist? Ich glaube ja. Mehr noch: Oft spiegelt die „irrationale Traumarbeit“ einer Nation ihren tatsächlichen Zustand wahrheitsgetreuer wider als ihr „Ich“ – ihre offiziellen Verkündigungen oder diplomatischen Erklärungen. Lassen Sie uns nun diese Theorie an James Camerons Avatar anlegen und dabei auf zwei aufschlussreiche Themen achten: die schuldbelastete Matrix des amerikanischen Unterbewusstseins im Zusammenhang des „Krieges gegen den Terror“ und eine kritische Darstellung Amerikas – ein absolutes Novum in einem Hollywoodblockbuster – aus der Perspektive der übrigen Welt.

Natürlich ist der amerikanische Held, in bewährter Hollywoodmanier unschuldig und moralisch – ein widerstrebender Kämpfer, der barbarischen Wilden Demokratie oder zumindest Gerechtigkeit bringt. Doch das Unternehmen ist eine „Mission“, bei der die Soldaten nicht „für die Freiheit“, sondern „für einen Lohnscheck“ kämpfen. Sie erhalten ihre Anweisungen von Konzernbürokraten und führen einen Krieg gegen die Ureinwohner, deren heiliges Land über einem enormen „Unobtainium“-Vorkommen liegt, das sich die Regierung sichern will. Statt klassischer Bilder der US-Kavallerie, die sich mutig auf die Wilden wirft, oder anständiger amerikanischer Landser, die tapfer Nazinester ausheben, werfen hier gelangweilte Technokraten im Schutze unzähliger Schichten von Technologie Brandbomben auf grüne Täler und schlachten so unterschiedslos feindliche Krieger und wehrlose Frauen und Babys ab, während sie an ihrem Kaffee nippen.

Eine Mischung aus Indianern und Vietnamesen

Die Ureinwohner sind ein Amalgam aller großen imperialen Kriege, die Amerikas Gewissen aktuell belasten. Obwohl körperlich eine Fantasy-/Science-Fiction-Kombination aus blauer Haut und katzenartigen Bewegungen, sind sie kulturell eine Mischung aus Indianern und Vietnamesen, ergänzt um einen arabischen Akzent. Die Entwicklung des Helden führt nicht zur Eroberung, sondern zur Sensibilisierung seiner Beziehung und der seines Volkes zu anderen: „Was bin ich, der Schurke?“ lacht er zuerst, als wäre dies unmöglich. Am Ende dann aber versucht er, sein eigenes Team vor der Sinnlosigkeit seiner brutalen Strategie zu warnen: „Was haben wir ihnen zu bieten? Bier? Blue Jeans? Wir haben nichts, was sie interessiert.“

Ironischerweise dürfte dieser Hollywood-Film mehr dazu beitragen, das verdrängte Wissen der Amerikaner über die Seichtigkeit ihrer nationalen Mythologie zu exhumieren als alle Leitartikel, College-Kurse oder selbst Proteste außerhalb der amerikanischen Grenzen.

 

Aus dem Englischen von Jan Doolan (Copyright: Project Syndicate, 2010)


08.02.10, 09:45 # 1 (permalink)

Beitrag der Redaktion

Lightbulb "Avatar" - was sagt uns der Blockbuster über die USA?

Naomi Wolf kommentiert auf politik.de den Mega-Erfolg "Avatar". Den ganzen Artikel finden Sie hier.

Was sagt Ihnen "Avatar"? Warum ist der Film Ihrer Meinung nach so erfolgreich? Finden Sie andere Gründe als die Autorin? Welche Rückschlüsse auf die us-amerikanische Identität ziehen Sie?

09.02.10, 13:45 # 2 (permalink)

Zitat von Redaktion
Naomi Wolf kommentiert auf politik.de den Mega-Erfolg "Avatar". Den ganzen Artikel finden Sie hier.

Was sagt Ihnen "Avatar"? Warum ist der Film Ihrer Meinung nach so erfolgreich? Finden Sie andere Gründe als die Autorin? Welche Rückschlüsse auf die us-amerikanische Identität ziehen Sie?
Ich sag!
Der ganze Film hätte in Brasilien gedreht werden können.Mitrealen Inidanern udn ösen Landehmern.Und er wäre nicht weniger"Wahr".

Allerdings hätten gewisse Kreise denen Unser Planet am Arsch vorbeigeht, solange es Geld bringt ihn auszubeuten, ihn nie angeschaut, weil: "Ih wieder son Ehtnospinnerfilm!"
So aber: "Boah ey! 3-D Sci-fi gemetzel?! Guck ich mir an!"
Die Botschaft hätte also nichts bewirkt!

Sodenken die jetzt wieder ne weile lang drüber nach und vieleicht ändert sich ein bischen in deren verhalten.

Nimmer mag ihm der Nachruhm sterben,
Welcher sich guten gewann.


Nen nord-deutscheren (Wikinger) Front-Kämpfer gabs in Berlin noch nie!
fórn sidr Ásatrú í þyskalandi


[B]@Rechtes gesockse! Loky mit euch! Ich binn´
Auch Pfaffen, Skalden und die Weisen,
im Notfall in den Wald reinscheis(s)en!

D:\Eigene Dateien\Eigene Bilder\Marc der Wilde\normal_IMG_0309.JPG "ja wir fahr´n plündern..plündern..."


09.02.10, 14:15 # 3 (permalink)

Zitat von Garm, hels hund
Sodenken die jetzt wieder ne weile lang drüber nach und vieleicht ändert sich ein bischen in deren verhalten.
Ich glaube, es wird gar nichts passieren. Ich habe schon diverse Kritiken und Kommentare von US-Amerikanern und christlichen Vereinigungen zu diesem Film gelesen und was war darin allgemeiner Tenor?
Richtig, die Damen und Herren waren brüskiert, direkt empört wegen der offenkundigen Anspielungen des Machwerks.

Hast Du irgendwo einen Kommentar gelesen, in dem Reue ob des eigenen politisch kriegerischen Verhaltens in der Vergangenheit mitschwang? Siehste, ich auch nicht.
Man zeigte sich lediglich entrüstet und beleidigt. Einsicht? Pustekuchen! Es befindet sich wie zu erwarten niemand auf dem Weg der Besserung.

Da erwarte ich eher eine Reaktion aus der chinesichen Bevölkerung. Denen dürfte der Streifen doch näher gehen, nachdem kürzlich Teile der Bevölkerung zu Gunsten des Baus neuer Hochhäuser "entheimatet" wurden.

09.02.10, 17:07 # 4 (permalink)

Zitat von Redaktion
Naomi Wolf kommentiert auf politik.de den Mega-Erfolg "Avatar". Den ganzen Artikel finden Sie
[B]hier.

Was sagt Ihnen "Avatar"? Warum ist der Film Ihrer Meinung nach so erfolgreich? Finden Sie andere
Gründe als die Autorin? Welche Rückschlüsse auf die us-amerikanische Identität ziehen Sie?
Die Verknüpfung zahlreicher Elemente: die Technik (Simulation, Roboter, Genetik), Gesellschaft (Zusammenprall einer hochtechnisierten Kultur, die die Umwelt ausbeutet mit einem Naturvolk), Probleme der modernen Gesellschaft.

11.02.10, 15:24 # 5 (permalink)

Ausbeutung überall

Der Mensch wird ausgebeutet wo er geht und steht, sogar von seinen Artgenossen. Wie sagte dazu schon der französische Philosoph Rousseau: "Der Mensch wird frei geboren, doch überall liegt er in Ketten".
Und wenn es bei den eigenen Brüdern und Schwestern nichts mehr zu holen gibt, fällt er über andere Welten her. Schön, das ein Film versucht, für Kritik an diesen Verhaltens-Mustern zu sensibilisieren. Aber in dieser Kritik, wie auch in vielen anderen Medien gezeigt, dient das Thema eher als Vorwand für die Darstellung einer tollen neue 3D Film-Technologie.

Die hier vorgestellte "Filmkritik" von Naomi Wolf schwingt ebenfalls zu Beginn große Worte (Psychoanalyse, Freud,..) um dann in allbekannten Banalitäten und Muster zu versinken. Man muss doch gar nicht in die Tiefen des Weltraums vorstossen, man kann doch inzwiwschen sogar im eigenen Land erkennen, wie einfach es ist Menschen extrem auszubeuten. Und das große Vermögen allermeistens auf dieser radikalen Ausbeutung von schwächeren, unterlegenen Menschen und der Nutzbarmachung der sonstigen, sie umgebenden Natur gewachsen sind.

Krass ist es, wenn die Filmindustrie diese allgegenwärtige Ausbeutung auch verniedlichend, zwar irgendwo anklagt, aber ebenso nur wieder als Thema verwendet und weiter ausbeutet! Hier wird sozusagen die Ausbeutung ausgebeutet. Hier werden eben nicht etwa konkrete Möglichkeiten des Widerstands dagegen aufzeigt. ... Schön wäre es gewesen.

Aufrüttelnd waren andere Filme, etwa "Themroc" aus den 70ern oder der unterschwellig verbotene und verfehmte französische Film "Der grüne Planet"
(la belle verte) von 1996.

YouTube - Themroc (1973)

YouTube - Über die Menschheit


+++

"und der der Meister sprach: wenn ihr aber klatscht mit beiden Händen, dann hört auf das Klatschen der einen Hand."

Geändert von brentis (11.02.10 um 15:32 Uhr).


14.02.10, 08:33 # 6 (permalink)

"Avatar"

Zitat von Redaktion
Naomi Wolf kommentiert auf politik.de den Mega-Erfolg "Avatar". Den ganzen Artikel finden Sie hier.

Was sagt Ihnen "Avatar"? Warum ist der Film Ihrer Meinung nach so erfolgreich? Finden Sie andere Gründe als die Autorin? Welche Rückschlüsse auf die us-amerikanische Identität ziehen Sie?
Warum sollte ich Rückschlüsse auf die us-amerikanische Identität ziehen?http://forum.politik.de/forum/images/smilies/cat.gif
Dieses Volk sind in meinen Augen nur arugante aufgeblasene .....!
Ich möchte keinen verletzen, aber wir sollten mal morgens in den Spiegel schauen und uns fragen:
Was haben wir getan, damit wir in Frieden leben können ohne unsere Umwelt, Natur, Tiere usw zu zerstören.
Nichts!
Und wenn haben wir es sogleich mit dem Arsch wieder eingerissen.
Die Menschheit könnte in Frieden nebeneinander leben. Wir müssten nur unsere Güter gerecht aufteilen. Nicht den einen ausbeuten und aus seinem Land vertreiben ( siehe die Indianer, Afrikaner usw.)
Ich weiss meine Wortwahl! Wer Fehler findet darf sie behalten!http://forum.politik.de/forum/images...s/rolleyes.gif
Aber geschwollene und leere Worte bringen auch nichts!
Dieses alles zeigt mir der Film und das noch in Farbe!

15.02.10, 09:24 # 7 (permalink)

Ich denke, wir sehen in Avatar die Verknüpfung amerikanischer Mythen (Pocahontas) mit dem Sci-Fi-Kino amerikanischer Prägung. An anderer Stelle habe ich auch schon von der Blauen Blume von Pandora gelesen. In jedem Fall ist Avatar rein storytechnisch keine Revolution, sondern die Wiederholung alter Muster. Das haben die Amerikaner schon immer gekonnt. Aber Avatar wiederholt mit neuer Technik und in einer neuen Dimension. Auch das haben die Amerikaner immer schon gekonnt: Althergebrachtes mit Neuem kombinieren, so dass es beinahe jedem Spaß macht und viele dazu animiert, sich Gedanken zu machen.

13.03.10, 11:42 # 8 (permalink)

Zitat von Mafri
Ich denke, wir sehen in Avatar die Verknüpfung amerikanischer Mythen (Pocahontas) mit dem Sci-Fi-Kino amerikanischer Prägung. An anderer Stelle habe ich auch schon von der Blauen Blume von Pandora gelesen. In jedem Fall ist Avatar rein storytechnisch keine Revolution, sondern die Wiederholung alter Muster. Das haben die Amerikaner schon immer gekonnt. Aber Avatar wiederholt mit neuer Technik und in einer neuen Dimension. Auch das haben die Amerikaner immer schon gekonnt: Althergebrachtes mit Neuem kombinieren, so dass es beinahe jedem Spaß macht und viele dazu animiert, sich Gedanken zu machen.
Ich habe AVATAR erst letzte Woche gesehen. Ich wusste bereits, dass die Story nicht besonders ist bzw. sein kann, aber besonders erschrocken hat mich letztlich die sehr maue 3D-Technik. Bis auf ein paar Funkenflüge war da nicht viel zu sehen. Am besten war eigentlich der Vorclip, in dem gezeigt wird, was 3D alles kann.

Eine Enttäuschung aus meiner Sicht, zurecht bei den Oscars links liegen gelassen. Man muss James Cameron sicherlich danken, dass er eine neue Kameratechnik entwickelt hat, aber die 3D-Effekte waren wirklich ... kaum vorhanden.

Ich hoffe in diesem Punkt eher auf "Alice in Wonderland" von Tim Burton.

22.03.10, 09:01 # 9 (permalink)

Avatar, visuell sicherlich überzeugend, aber die Story und Inhalt sowas von klischeehaft und langweilig.

Die Edlen Wilden, wieder mal ausgebeutet von den bösen (Amis,Kapitalisten?). Es gibt nur die Guten und die Bösen. Ein Film für die Schwarz-Weiss-Maler unter uns die ihr einfaches Weltbild mal wieder bestätigt sehen.
Wenn politische Ansichten so mit der Holzhammermethode verbreitet werden braucht man sich nicht wundern das die Botschaft wenig Resonanz findet, zu unglaubwürdig, zu undifferenziert.
Wer zuRecht auf die Probleme unserer Welt hinweisen möchte sollte eine Doku machen, bzw einen Film der differenziert Hintergründe ausleuchtet und Lösungsmöglichkeiten aufzeigt und kein plattes Fantasy-Ethno-Märchen.

06.04.10, 11:57 # 10 (permalink)

Zitat von Trantor
Avatar, visuell sicherlich überzeugend, aber die Story und Inhalt sowas von klischeehaft und langweilig.

Die Edlen Wilden, wieder mal ausgebeutet von den bösen (Amis,Kapitalisten?). Es gibt nur die Guten und die Bösen. Ein Film für die Schwarz-Weiss-Maler unter uns die ihr einfaches Weltbild mal wieder bestätigt sehen.
Wenn politische Ansichten so mit der Holzhammermethode verbreitet werden braucht man sich nicht wundern das die Botschaft wenig Resonanz findet, zu unglaubwürdig, zu undifferenziert.
Wer zuRecht auf die Probleme unserer Welt hinweisen möchte sollte eine Doku machen, bzw einen Film der differenziert Hintergründe ausleuchtet und Lösungsmöglichkeiten aufzeigt und kein plattes Fantasy-Ethno-Märchen.
Die Frage, die du, vielleicht unbewusst aufwirfst ist doch die, welche Lösungsmöglichkeiten gäbe es denn aus der Perspektive des Naturvolkes aus dem Film, oder aus Sicht der Vietnamesen, Iraker, Afghanen oder, oder, oder...und die Antwort ist eigentlich recht simpel, es gibt nur einen: stärker sein als die, die etwas haben möchten was ihnen nicht zusteht.
Das lässt sich auf die Guerilla des Vietcong, auf die Guerilla in den afghanischen Bergen, Ahmadinejads Träume von der Atombombe oder auch die große Mobilmachung der Omoticaya in "Avatar" anwenden.

Was mir in dem Film etwas gefählt hat war die Darstellung der Propaganda, die ansonsten in jedem imperialistischen Krieg des Rundfunkzeitalters eine große Rolle spielt, bzw. gespielt hat und spielen wird.

"The status quo sucks"

"Scratch any cynic and you’ll find a disappointed idealist."

"I don't have pet peeves - I have major psychotic fucking hatreds."

"Conservatives want live babies so they can train them to be dead soldiers. "

"Well, if crime fighters fight crime and fire fighters fight fires, what do freedom fighters fight? "

"I would never want to be a member of a group whose symbol was a man nailed to two pieces of wood. "

— George Carlin (12. Mai 1937-22. Juni 2008)



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