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Der Hades der Finanzwelt

Griechenland befindet sich im freien Fall, EU will gegensteuern

Droht Griechenland der Untergang? zoom Droht Griechenland der Untergang?
Quelle: Aster-oid
von Katharina Zink (politik.de)
01.03.2010

Zwei Wochen ist es her, dass die europäischen Finanzminister Griechenland unter Zwangsverwaltung gestellt haben. Die Maßnahme ist die unmittelbare Reaktion auf einen bisher in der Euro-Zone beispiellosen Fall von Staatsverschuldung: In diesem Jahr schätzt die Europäische Union das Defizit auf 300 Milliarden Euro. Das entspricht in etwa 12,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und die Sparaufgabe für die griechische Staatsführung ist somit gewaltig.

Nur drei Jahre hat die griechische Regierung Zeit, das Haushaltsdefizit auf maximal drei Prozent des Bruttoinlandprodukts zu senken. Um die Transparenz zu garantieren, die bisher gefehlt hatte, muss auf dem Weg dahin über jeden Zwischenschritt Rechenschaft abgelegt werden. Auch wenn Griechenland zusammen mit Irland, Italien, Spanien und Portugal seit längerem zu den finanzpolitischen Sorgenkindern der EU zählt, konnte die Schieflage des Etats über Jahre hinweg verschleiert werden.

Neben diesen harten Fakten, die bei vielen EU-Staaten Gesprächsbedarf aufkommen ließen, entfachte sich auch eine emotionale Debatte zwischen Deutschland und Griechenland. Insbesondere Politiker und Medienmacher schossen scharf und griechische Forderungen nach noch ausstehenden Reparationszahlungen wurden laut. Vom griechischen Verbraucherverband Inka wurde obendrein zum Boykott deutscher Produkte aufgerufen. Es zeigt sich, wie groß Verunsicherung und Überforderung vom griechischen Bürger bis zum europäischen Spitzenpolitiker eigentlich sind. Es brodelt also auf allen Ebenen.


Dem soll nun mit konkreten Plänen und klarer Kompetenzverteilung ein Ende gesetzt werden. Entsprechend wurden der griechischen Regierung im Rahmen der Zwangsverwaltung für den Konsolidierungsverlauf enge Fristen gesetzt: Binnen eines Monats erwartet die EU einen überzeugenden Maßnahmenplan, der aufzeigt, wie das Defizit im laufenden Jahr um vier Prozent gesenkt werden soll. Offizielle Überprüfungen sind alle drei Monate vorgesehen.

Die Regierung um den sozialistischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou plant einen „Hagel von Sparmaßnahmen“: Die Bezüge für Staatsbedienstete sollen gekürzt, ein Einstellstopp verhängt werden. Steuern sollen erhöht und dann mit größerer Vehemenz als bisher eingetrieben werden. Die Mehrwertsteuer wäre in diesem Kontext eine mögliche Stellschraube. 

 


Bisher musste Griechenland in Anbetracht der drohenden Staatspleite national nur den Anflug eines Generalstreiks überstehen: Die beiden größten Gewerkschaften hatten zum Protest gegen die Pläne der Regierung aufgerufen, die Lebensarbeitszeit um zwei Jahre zu verkürzen und nach Einsparungsmöglichkeiten im Rentensystem zu suchen. Dieser Ausstand wurde nicht von allen Teilen der Bevölkerung mitgetragen, in Anbetracht der rigorosen Sparmaßnahmen muss aber mit weiteren sozialen Auseinandersetzungen gerechnet werden.

Während der Schuldner selbst am Sanierungskonzept bastelt, macht sich die Aufregung auch an den Finanzmärkten und in den Führungsetagen großer Geldinstitute immer deutlicher bemerkbar: Wegen schwindender Glaubwürdigkeit werden die dringend benötigten Kredite für Griechenland stetig teurer. Auch deutsche Großbanken erwägen, nicht mehr in griechische Staatsanleihen zu investieren. Das bringt Athen immer näher an den Abgrund der Zahlungsunfähigkeit und schwächt den Euro zunehmend. Nicht abzusehen sind bislang die Auswirkungen auf die anderen finanzschwachen EU-Staaten.


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Diese Entwicklungen zeigen, dass ein gesamteuropäischer Konsolidierungskurs unbedingt notwendig ist. Allerdings sehen die Euro-Verträge keine direkten Hilfszahlungen an Staaten mit Solvenzproblemen vor. Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) lehnen zudem ein Rettungspaket für den wirtschaftlich angeschlagenen Staat ab. Konkret wird in diesen Tagen nur von Unterstützungen durch Kontrollen und strategischen Beratungsangeboten gesprochen.

Welche Konsolidierungshilfen dem Präzedenzfall Griechenland letztlich zukommen, soll in alter diplomatischer Manier geklärt werden: Zu Beginn dieser Woche reist EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn nach Athen, am Freitag wird Papandreou in Berlin zum Gespräch erwartet. Die gesamte Euro-Zone darf hoffen, dass dabei eine schlagkräftige Strategie erarbeitet wird, wie wirtschaftlich angeschlagenen Mitgliedsstaaten geholfen werden kann.


Umfrageergebnis anzeigen: Wie soll die deutsche Regierung Griechenland helfen?
Gar nicht, die Griechen sind selbst schuld
48,81%
(41 Stimmen)
Mit einem deutschen Kompetenz-Team, das Schäuble nach Athen entsendet
23,81%
(20 Stimmen)
Frau Merkel sollte in der EU für ein gemeinsames Rettungspaket werben
16,67%
(14 Stimmen)
Mit Subventionen für Pauschalreisen nach Griechenland um den Tourismus anzukurbeln
10,71%
(9 Stimmen)
Teilnehmer: 84. Diese Umfrage ist geschlossen

01.03.10, 16:11 # 1 (permalink)

Beitrag der Redaktion

Exclamation Der Hades der Finanzwelt: Geht Griechenland unter?

Nachdem das tatsächliche Ausmaß des griechischen Haushaltsdefizits bekannt wurde, dreht sich das Bankrott-Karussell immer schneller: Es rumort in der Bevölkerung und das Vertrauen ausländischer Investoren in die Zahlungskraft schwindet. Erfahren Sie mehr über die Hintergründe in unserem Dossier.

Wie sehen Sie die Zukunft von Griechenland? Sind die anderen EU-Staaten zur Hilfe verpflichtet? Oder drohen Griechenland Sanktionen?

01.03.10, 18:29 # 2 (permalink)

Zitat von Redaktion
Nachdem das tatsächliche Ausmaß des griechischen Haushaltsdefizits bekannt wurde, dreht sich das Bankrott-Karussell immer schneller: Es rumort in der Bevölkerung und das Vertrauen ausländischer Investoren in die Zahlungskraft schwindet. Erfahren Sie mehr über die Hintergründe in unserem Dossier.

Wie sehen Sie die Zukunft von Griechenland? Sind die anderen EU-Staaten zur Hilfe verpflichtet? Oder drohen Griechenland Sanktionen?
Hallo, die Mehrheit der EU-Staaten hat selbst noch mit den Auswirkungen der Finanzkrise zu Kämpfen und haben daher nur wenig oder keinen Spielraum. Die EU hat sich aber bereit erklärt nur im äussersten Notfall Griechenland zu helfen. Aber runde 300 Milliarden Euro Schulden-Minimum sind nicht wenig für das kleine Land. Hinzu kommt das der Tourismus zwischenzeitlich um etwa 30% eingebrochen ist. Unsere Bundeskanzlerin sagte richtig: "Griechenland soll erst einmal seine Hausaufgaben machen" (und drastisch Sparen). Fakt ist, der Euro ist nun in der schwierigsten Phase seit seiner Einführung. Am Freitag kommt Griechenlands Staatschef Georgios Papandreou ja nach Berlin. Da können wir gespannt sein was bei den Gespräche herauskommt.

Viele Grüsse von Jörg Valtin

01.03.10, 18:40 # 3 (permalink)

Ob die EU oder Deutschland Griechenland mit Geld oder Kredit helfen hängt davon ab ob es einflussreiche Gruppierungen in der EU oder Deutschland gibt die von der Griechenpleite geschädigt werden könnten und ob mans dem Volk gegebenfalls nochmals weiß machen könnte. Man sondiert und redet wohl noch. Mit Volks- oder europäischer Wirtschaft haben die Überlegungen erst in zweiter Linie zu tun

nur Mut! Es kommt noch schlimmer.


01.03.10, 18:53 # 4 (permalink)

Zitat von gerrih
Ob die EU oder Deutschland Griechenland mit Geld oder Kredit helfen hängt davon ab ob es einflussreiche Gruppierungen in der EU oder Deutschland gibt die von der Griechenpleite geschädigt werden könnten und ob mans dem Volk gegebenfalls nochmals weiß machen könnte. Man sondiert und redet wohl noch. Mit Volks- oder europäischer Wirtschaft haben die Überlegungen erst in zweiter Linie zu tun
Hallo gerrih, da liegst Du wohl völlig richtig. Doch das Volk wird in Griechenland die Sparmassnahmen nicht einfach so hinnehmen. Davor fürchtet sich auch die dortige Regierung. Es wird zu Streiks und gewaltsamen Auseinandersetzungen kommen. Dieses Szenario kennen wir schon von dort.

Viele Grüsse von Jörg Valtin

01.03.10, 19:31 # 5 (permalink)

Um fremden Einfluss zurückzudrängen, nämlich va den chinesischen und amerikanischen, wird die EU zwangsläufig die Griechen retten wollen.
Durch die ungünstige Kreditlage, fiele es den zuvor genannten Interessensgruppen sehr einfach, sich quasi in die EU einzukaufen. Daher haben auch namenhafte amerikanische Banken dem griechischem Staat geholfen seine Schulden zu verschleiern.
Somit bliebe Europa kontrollierbar und insbesondere schwach.

So ungern ich das sage, Griechenland muss entweder gerettet werden oder aus der EU, bzw Euro-spähre ausgegrenzt werden.

01.03.10, 20:59 # 6 (permalink)

Zitat von Redaktion
Nachdem das tatsächliche Ausmaß des griechischen Haushaltsdefizits bekannt wurde, dreht sich das Bankrott-Karussell immer schneller: Es rumort in der Bevölkerung und das Vertrauen ausländischer Investoren in die Zahlungskraft schwindet. Erfahren Sie mehr über die Hintergründe in unserem Dossier.

Wie sehen Sie die Zukunft von Griechenland? Sind die anderen EU-Staaten zur Hilfe verpflichtet? Oder drohen Griechenland Sanktionen?
Wenn der griechische Staat untergeht, müssen die Beamten und Politiker eben wieder Olivenpflücker oder Schafhirten werden. Das sind ja keine unanständigen Berufe. Das griechische Volk wird auch ohne Staat überleben. Die Somalis können das doch auch schon Jahrzehnte. Man muß halt nur die Visapflicht für Griechen in den anderen EU-Staaten wieder einführen, damit sie nicht die dortigen Sozialsysteme belasten. Der Rest regelt sich dann von alleine. Die Kredite an Griechenland sind genauso verloren wie die an die USA oder Großbritannien. Schlechtem Geld sollte man kein gutes hinterherwerfen.

Der Gedanke eilt der Tat voraus, wie der Blitz dem Donner.


01.03.10, 21:45 # 7 (permalink)

Zitat von dekoehler
Wenn der griechische Staat untergeht, müssen die Beamten und Politiker eben wieder Olivenpflücker oder Schafhirten werden. Das sind ja keine unanständigen Berufe. Das griechische Volk wird auch ohne Staat überleben. Die Somalis können das doch auch schon Jahrzehnte. Man muß halt nur die Visapflicht für Griechen in den anderen EU-Staaten wieder einführen, damit sie nicht die dortigen Sozialsysteme belasten. Der Rest regelt sich dann von alleine. Die Kredite an Griechenland sind genauso verloren wie die an die USA oder Großbritannien. Schlechtem Geld sollte man kein gutes hinterherwerfen.
Ich denke, dass es wahrscheinlich zu wenig Fläche für Millionen von Bauern geben könnte (etwas überspitzt gesagt). Auch daher, dass nicht mehr die sozialen Dienstleistungen (Renten, Krankenversorgung, Justiz) nicht gewährleistet werden können, würde das mit massiven Unruhen begleitet werden, zumal die Griechen, entgegen den Somalis, diese Annähmlichkeiten kennen. Auch kann die EU kaum ein Chaos im eigenen Hause wollen...

01.03.10, 21:52 # 8 (permalink)

Zitat von Jörg Valtin
Hallo, die Mehrheit der EU-Staaten hat selbst noch mit den Auswirkungen der Finanzkrise zu Kämpfen und haben daher nur wenig oder keinen Spielraum. Die EU hat sich aber bereit erklärt nur im äussersten Notfall Griechenland zu helfen. Aber runde 300 Milliarden Euro Schulden-Minimum sind nicht wenig für das kleine Land. Hinzu kommt das der Tourismus zwischenzeitlich um etwa 30% eingebrochen ist. Unsere Bundeskanzlerin sagte richtig: "Griechenland soll erst einmal seine Hausaufgaben machen" (und drastisch Sparen). Fakt ist, der Euro ist nun in der schwierigsten Phase seit seiner Einführung. Am Freitag kommt Griechenlands Staatschef Georgios Papandreou ja nach Berlin. Da können wir gespannt sein was bei den Gespräche herauskommt.

Viele Grüsse von Jörg Valtin
Fahrt durch Nordgriechenland.
6 spurige Autobahnen völlig leer, in der Mitte Blumen jeglicher Sorte, Luxus Autobahnen, durch EU Gelder finanziert. Infrastruktur ist bestens ausgebaut.
Wenn jemand schon mal in Nordgriechenland war kann es bestätigen.
Es wurde geaast mit den EU Geldern und wie....

Geändert von AvniSinanogl (01.03.10 um 22:00 Uhr).


01.03.10, 21:54 # 9 (permalink)

Zitat von dekoehler
Wenn der griechische Staat untergeht, müssen die Beamten und Politiker eben wieder Olivenpflücker oder Schafhirten werden. Das sind ja keine unanständigen Berufe. Das griechische Volk wird auch ohne Staat überleben. Die Somalis können das doch auch schon Jahrzehnte. Man muß halt nur die Visapflicht für Griechen in den anderen EU-Staaten wieder einführen, damit sie nicht die dortigen Sozialsysteme belasten. Der Rest regelt sich dann von alleine. Die Kredite an Griechenland sind genauso verloren wie die an die USA oder Großbritannien. Schlechtem Geld sollte man kein gutes hinterherwerfen.
Habe mal 8 Jahre auf Korfu, ist eine ionische Insel, gelebt. Habe daher einen kleinen Einblick in das griechische Leben.. und lebe wieder im Land der Wahrheiteutschland .Als erstes: Respekt gegenüber allen griechischen Staatsbürgern, sie wehren sich wenigstens gegenüber den Staats"dienern", da haben Deutschlands Bürger wohl etwas Nachholbedarf. Mal ehrlich Leute, die Ami-Abzocker AIG, Fannie xy haben über 300 Milliarden Dollar oder Euro, eh egal, verbrannt. Vielleicht auch ein paar Billionen, wer weiss das schon so genau. Und ihr schiesst euch auf 11 Millionen Griechen ein, wie kläglich, immer auf die kleinen. Wer kennt die Zusammenhänge? niemand, Hauptsache es gibt einen Schuldigen. Wie billig. Meine Meinung: Trotz großer Ungereimtheiten im Staate Griechenland, die wahren Schuldigen an den Problemen leben auf grossem Fusse, haben jede Menge Jungfrauen im Hier und Jetzt (und jede Menge Immobilien vom Feinsten, wir wollen nicht von dem bedruckten Papier und den goldglänzenden Barren sprechen) und niemand macht ernsthaft Jagd auf die wahren Schuldigen!!

01.03.10, 23:08 # 10 (permalink)

Thumbs up

Zitat von nostradonut
Habe mal 8 Jahre auf Korfu, ist eine ionische Insel, gelebt. Habe daher einen kleinen Einblick in das griechische Leben.. und lebe wieder im Land der Wahrheiteutschland .Als erstes: Respekt gegenüber allen griechischen Staatsbürgern, sie wehren sich wenigstens gegenüber den Staats"dienern", da haben Deutschlands Bürger wohl etwas Nachholbedarf. Mal ehrlich Leute, die Ami-Abzocker AIG, Fannie xy haben über 300 Milliarden Dollar oder Euro, eh egal, verbrannt. Vielleicht auch ein paar Billionen, wer weiss das schon so genau. Und ihr schiesst euch auf 11 Millionen Griechen ein, wie kläglich, immer auf die kleinen. Wer kennt die Zusammenhänge? niemand, Hauptsache es gibt einen Schuldigen. Wie billig. Meine Meinung: Trotz großer Ungereimtheiten im Staate Griechenland, die wahren Schuldigen an den Problemen leben auf grossem Fusse, haben jede Menge Jungfrauen im Hier und Jetzt (und jede Menge Immobilien vom Feinsten, wir wollen nicht von dem bedruckten Papier und den goldglänzenden Barren sprechen) und niemand macht ernsthaft Jagd auf die wahren Schuldigen!!
richtig!!! und genau diese kleinen sind mal wieder wie überall die verlierer.
ach ja und wenn man hier schon parallelen zu Somalia zieht haben genau diese kleinen verarmten Leute ebenfalls wie in Somalia die Möglichkeit als Piraten auf Beutefang zu gehen während Fischer anderer europäischer Staaten den Fischbestand an der griechischen Küste auszubeuten.

gruß Jack Sparrow


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Stichworte
etat, finanzkrise, griechenland, haushaltsdefizit, krise, schulden, staatsbankrott

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